Hof-Post im September

Liebe Freundinnen und Freunde des hofs,

steigen wir doch gleich ein in die drängenden Fragen: In der unübersichtlichen Diskussion um das Weltklima lande ich immer wieder bei den bodenständigen Klimarebellen aus dem Schwarzwald, den Elektrizitätswerken Schönau. Sie wissen vielleicht, dass ich seit vielen Jahren ein (vegetarisch) eingefleischter Fan ihrer konsequenten und durchdachten Energiekonzepte bin. Auf ews-schoenau.de finden Sie aktuell gute und umsetzbare Strategien zu Klimaschutz und Klimaanpassung, die eng Hand in Hand gehen müssen, damit wir noch irgendwie klarkommen in den Hitzezeiten und vielleicht noch für die kommende Generation die Schönheit unseres Planeten retten können.
Auch sehr lesenswert ist der Artikel „Ent oder weder“ in der aktuellen Ausgabe der Zeit (gibt es auch vorgelesen als Podcast), der versucht, das Dahinter der unsäglichen Klimadiskussion und der Schuldzuweisungen und Ablenkungsmanöver herauszuschälen. Es ist wirklich unbequem, aber es geht leider einfach um Konsum, um ein Zuviel davon und das tut weh. Das Fazit des klugen Journalisten Bernd Ulrich ist, dass die Frage von Klimaanpassung oder Klimaschutz eben die Frage von Kultur oder Konsum ist. Nicht ganz neu, aber immer wieder bitter.

Da wundert mich nicht die Begeisterung der Menschen für die wunderbaren Himmelsphänomene dieses Sommers. Nicht nur traumhafte Wolkenformationen und Abendlichter waren zu bestaunen nach den Hitzetagen, auch der Jupiter ganz nah an der Mondsichel und dann natürlich die Sonnenfinsternis, Volksfeststimmung an Panoramastellen! Hinter dem Niederurseler Friedhof, wo ich das Spektakel bestaunt habe, gab es Picknick, fröhliches Miteinander, Brillenausleihe für alle, die mal wieder nix besorgt hatten, Familien, die in riesige Pappkartons schauten und ihren Kindern die Gesetze der Optik erklärten und Begeisterung über die Schönheit eines besonderen Momentes über dem Gerausche der A5. Den Vogel schossen zwei Damen ab, die in Ermangelung von Profiausrüstung zwei Küchensiebe mitbrachten, durch die sie versuchten zu schauen; ich glaube, sie haben da irgendwas falsch verstanden.
Aber die Sehnsucht der Menschen nach Schönheit, himmlischer Ordnung und majestätischer Größe ist vielleicht ein Gegengewicht zum Chaos und Geschrei hienieden.

Derweil bereitet sich der hof und fast ganz Niederursel auf den 3. Oktober vor und auf einen wunderbaren gemeinsamen Tag für die ganze Familie. Miteinander sein, kreativ sein, etwas Leckeres schmausen, schauen, sich freuen, unbedingt mit RMV oder Rad oder zu Fuß kommen (wegen Klima!) und zusammen den Herbst einläuten.

Aus der Bildungsstätte habe ich noch eine Empfehlung für pädagogische Fachkräfte: im November startet der nächste Durchgang der zweijährigen Weiterbildung „Eltern beraten/ Kinder NEU sehen lernen“, eine grundständige Qualifizierung für Menschen, die mit kleinen Kindern und Familien arbeiten.

Nutzen wir die Klarheit und Frische des Septembers, um über Fragen nachzudenken, neu zu denken und vielleicht ein paar mutige Schritte zu machen.

Mit herzlichen Grüßen aus Niederursel
Susanne Beckey