Offene Farm für Schulkinder – ein Bericht

Das Frankfurter Kinderbüro und seine Veranstaltungen kennen und schätzen viele Frankfurter Familien. Jetzt hat es uns über seine Kinderrechts-Kampagne „Stadt der Kinder” mit der Schilasmühle einen „Erlebnisort Naturfarm” nahegebracht, der als Ausflugs- und Erlebnisort kaum attraktiver sein könnte.

Was es dort zu erleben gibt? Hier der Erfahrungsbericht von Einigen, die zum ersten Mal in den Genuss des Ortes Schilasmühle gekommen sind.

Dienstag, 16.9., 15 Uhr, ein ganz normaler Nachmittag mit den Kindern – oder? Nein! Heute fahren wir zur Schilasmühle, zur „Offenen Naturfarm“. Das Kinderbüro lädt uns ein im Rahmen der „Stadt der Kinder”. Frankfurt ist ja wirklich eine Stadt für Kinder, denke ich, wenn sie sogar einen Mitmachbauernhof in petto hat! Nichts wie hin.

Nach dem freundlichen Empfang sitzen etwa 20 Kinder auf Holzklötzen im Kreis. Sogar aus Rüsselsheim sind Menschen gekommen. Eine pädagogische Mitarbeiterin spricht über Kinderrechte, aber nicht zu lang, denn es juckt die Kinder in den Fingern, loszugehen und loszulegen. Den Übergang vom Denken in das Machen und Tun schaffen die Tiere und einige Regeln im Umgang mit ihnen. Denn: Kinder haben Rechte, Tiere aber auch. Und so gilt die Regel: „wenn ein Tier weggeht, nicht hinterherrennen. Es möchte dann seine Ruhe haben.” Das leuchtet ein.

Mit dem Wunsch, bei den Tieren zu helfen, stehen die Kinder Schlange. Gut, dass es hier, bei den Schafen, Eseln, Kaninchen und Hühnern, auch besonders viel zu tun gibt! Ob beim Ausmisten oder beim Streu Ausbringen, alle helfen mit.

Es macht Spaß, zusammen mit anderen in die große Packung für die Einstreu zu greifen. Aber wie viel Einstreu braucht so ein Esel, um sich wohlzufühlen?

Wir reiben Gemüse für die Hühner: Zucchini, Äpfel und Karotten. Haferflocken gibt es fürs Erlebnis auf die Hand. Wie es sich wohl anfühlt, wenn der Schnabel auf die Handfläche pickt? Da kann man schon erst mal erschrecken, dann aber auch stolz sein. Und natürlich die schönen Tiere bewundern.

Die Karotten würden auch den Kindern schmecken.

Woher kamen die Zucchini eigentlich? Na, aus dem Garten, gleich neben den Ställen. Hinter dem hübschen Holzzaun wachsen nicht nur orange blühende Blumen, hier wächst auch Gemüse. Vor dem Zaun steht eine volle Schubkarre. Da war schon jemand fleißig am Jäten. Im Garten zeigt sich: wenn man den Mist gleich um die Ecke hat, wächst alles viel besser als in einem Garten ohne Tiere. An diesem Tag Mitte September gibt es dicke Ernte zu bewundern!

Auf der Streuobstwiese der Schilasmühle sind die Äpfel schon reif. Sie sind schon eingesammelt und können in der Naturfarm zu Saft gepresst werden. Waschen, Ausschneiden, Schreddern, in die Presse füllen und dann pressen. Die Kinder machen bei allen Arbeitsschritten mit. Am Ende gibt es ganz besonders köstlichen Saft. Und wir lernen, dass wir nicht zu viel davon trinken sollten. Nicht nur, weil er so viel Kraft gibt …

Apfelsaft gibt Kraft!”, so ungefähr heißt es in einem Kinderlied von Volker Rosin. Aber wie wird der eigentlich hergestellt? Hier erfahren es die Kinder hautnah. Und dass man beim Pressen auch Kraft braucht.

Nach und nach schauen fast alle Kinder auch beim Schnitzen vorbei. Ein pädagogischer Mitarbeiter erklärt, was eigentlich Hart- und Weichholz ist, wie man beides bearbeitet und worauf es ankommt, damit man sicher schnitzt. Was man mit einem guten Schnitzmesser so alles machen kann? Pilze und Holunderpfeifen sind der Renner. Hier braucht es Vertrauen in die wachsenden Fähigkeiten der Kinder.

Ich als Mutter bin begeistert über die Möglichkeiten, die die Kinder hier haben: einfach dabei sein und mitmachen, unter Anleitung von Pädagog:innen und Tierpfleger:innen erfahren, was in Stall und Garten zu tun ist und wie alles funktioniert. Oder einfach schnitzen, Tiere beobachten, am Bach spielen. Das ist sicher auch ganz im Sinn der Kinderrechte. Denn Kinder haben ein Bedürfnis nach Natur, nach Tieren, freiem Spiel und Kreativität.

Am Ende des schnell verflogenen Nachmittags frage ich „meine“ vier Kinder: Und? Was hat euch am besten gefallen?
Den Apfelsaft zu machen!
Bei den Tieren mitzuhelfen!
Die Schafe, als die auf die andere Weide über den Hof gelaufen sind.

Den Dreijährigen, der ausnahmsweise unter meiner Aufsicht mit den Schulkindern mitdurfte, brauche ich nicht zu fragen: Er steht zum Schluss barfuß mit nassen Hosen im Urselbach und ist beim Damm bauen völlig im flow.

Ganz beseelt fahren wir den kurzen Weg zurück in die Stadt. Dieser wundervolle und glücklich machende Erlebnisort liegt tatsächlich nur wenige U-Bahn-Minuten entfernt. Mit solch einem Angebot ist Frankfurt wirklich eine Stadt der Kinder.

Danke für den tollen Nachmittag!
Andrea mit Felix, Emilia, Frieda und Augustin

Die Schilasmühle lädt ein zur offenen Naturfarm: 2 x in der Woche – offen für Schulkinder, kostenfrei und ohne Anmeldung!

  • Farm für Schulkinder – dienstags 15.30 – 18.00
  • Natur erleben für Schulkinder – mittwochs 15.00 – 17.30 Uhr

KOomemnde Themenschwerpunkte: Kartoffel, Streuobstwiese, Apfel, Kürbis, Kochen über dem Feuer, Sitzkissen für die Farm filzen.

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