Extrapost nr. 3


Liebe Freundinnen und Freunde des hofes,

eines von den besonders spannenden Themen, die Rudolf Steiner weiterentwickelt hat, ist seine Forschung zu den Sinnen: „nimm mal deine 5 oder deine 7 Sinne zusammen“, heißt es gängigerweise. Steiner hat weitere Sinne entdeckt, insgesamt 12, die jeweils an ein Organ im Körper gebunden sind. Über einen davon kam ich ins Gespräch mit Rosemarie Szemkus, seit vielen Jahren als Kunsttherapeutin am hof tätig und darüber in Kontakt mit vielen Kindern und ihren Familien:
Der Lebenssinn, der über den ganzen Körper ausgebreitet ist und mit dem vegetativen Nervensystem zusammenhängt. Er spürt das Leben in uns und zeigt wie ein Barometer an, wie es uns geht. Vor allem wenn wir uns unwohl spüren, wird er uns bewusst. Er ist Warnsystem und Kontrollstelle zugleich für Wohlbefinden oder Unbehagen, Schmerz und Enttäuschung, Wenn wir beginnen, krank zu werden, meldet er sich, genauso, wenn wir unseren Hunger und Durst stillen, spüren wir die erleichternde Veränderung vom Hunger zur Sättigung im Lebenssinn.
Lauschen Sie doch mal in sich hinein: wo steht Ihr Lebenssinn gerade? Im Fluss? Im Stau? Alles gut? Schlapp und unwohl? Gemütlich?

Gerade wenn Kinder durch eine unsichere Lebenssituation, veränderte Gewohnheiten und ständige Wechsel im Alltag quengeliger sind, kann das mit einer Störung des Lebenssinnes zusammenhängen. Rosemarie Szemkus hat zwei schöne Anregungen, um den Lebenssinn zu beleben und zu ordnen: je nach Alter der Kinder eine Tätigkeit von Anfang bis Ende zusammen machen. Gemeinsam überlegen, was wir kochen, einkaufen, zubereiten, Tisch decken, essen, Pause machen und aufräumen; also zusammen einen Prozess von Anfang bis Ende machen, das bringt in den Fluss und sortiert den Lebenssinn ins Leben ein. Aber dabei nicht überfordern, sonst lieber nur einen kleinen Prozess machen!
Oder zusammen malen – manchmal bitten Kinder darum, sie beim Malen zu begleiten. Damit sie nicht frustriert werden darüber, was sie im Vergleich zum Erwachsenen noch nicht können, ist es wichtig für den Erwachsenen aus der Fläche zu malen. Also weiche dicke Stifte, am besten Ölpastellkreiden (Schleichwerbung: gibt es bei Nanu Nana für unter 3.- €), und dann nicht aus dem Umriss malen, sondern aus der Farbe. Auch dabei kann man in den Prozess gehen, eine Geschichte erzählen: wie die Sonne auf die Erde scheint und das Gras wächst und ein Samen in der Erde liegt, die Sonne noch etwas heller scheint, jetzt die erste Halmspitze aus der Erde blitzt und wächst und Knospe und Blüte hervorkommen und ein Schmetterling das sieht und angeflogen kommt. Vielleicht auch ein Käfer vorbeikrabbelt und die Sonne noch etwas wärmer scheint…
Möglicherweise regulieren sich die Atmung und der Herzschlag und die Lebenskräfte kommen wieder ins Strömen.
Ich freue mich, wenn Sie ausprobieren, was Ihren Lebenssinn ins Wohlbefinden bringt.

Mit herzlichen Grüßen aus Niederursel und Wünschen für ein gutes Wohlbefinden
Susanne Beckey